Warum starten so viele Hubschrauber in Kleve?
Wir kennen die Antwort: Hier werden sie professionell in neuen Lack getaucht
Kleve. Simone Tewoort ist hochkonzentriert. Ein blaues, selbstklebendes Band muss mehr als sorgfältig auf der Karosserie des Fahrzeuges in der Lackierhalle aufgebracht werden. Das ist an sich alltägliche Arbeit im Lackier-Fachbetrieb Tewoort. Das Besondere in diesen Tagen: In der Halle steht nicht ein Auto, sondern ein waschechter Hubschrauber.
„Ja“, lacht Firmeninhaber Thomas Tewoort, „das ist für uns schon etwas ganz Besonderes. Einen solchen Auftrag wickeln wir natürlich nicht alle Tage ab.“ Er erzählt, wie es zu der Geschäftsverbindung kam: „Ich spiele immer wieder mal im Internet. Und zwar gemeinsam mit einer jungen Forscherin, die sich mit Wetter- und Klimafragen beschäftigt. Mindestens einmal im Jahr ist sie auf einem Forschungsschiff in der Antarktis unterwegs.“ Auf diesem Schiff steht der Besatzung ein Hubschrauber zur Verfügung. Für alle Eventualitäten, aber auch, um Forscher oder Besatzung nach Erledigung des Projektes wieder an Land zu bringen.
„Diese Internetfreundin haben wir, meine Frau und ich, irgendwann einmal nach Kleve eingeladen. Das ist eben doch etwas anders, wenn man schon älter ist. Da möchte man die Person, mit der man spielt, auch gerne kennenlernen.“ Die Forscherin wurde also nach Kleve eingeladen, es entwickelte sich eine Freundschaft. „Und eines Tages hat sie mich dann via Kopfhörer gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einen Hubschrauber zu lackieren“, erzählt Thomas Tewoort. Klar, er hatte. Die Forscherin stellte den Kontakt her, kam eines Tages mit dem Hamburger Firmengründer nach Kleve. Hier loteten sie die Start- und Landebedingungen aus. „Alles war perfekt, sie haben natürlich auch die Werkstatt in Augenschein genommen“, so Tewoort. Was der Hubschrauberbesitzer sah, gefiel ihm. „Er hat sich auf VIP-Transporte spezialisiert, hat sich gerade vier neue Hubschrauber angeschafft. Und die sollen nun ein einheitliches Outfit erhalten“, so Tewoort.
Mit viel Geduld
Simone Tewoort ist diejenige, die sich am Hubschrauber zu schaffen macht. „Ich habe eine Ausbildung im Lackiererhandwerk, habe die Meisterschule besucht. Da haben mein Mann und ich uns kennen gelernt“, schildert sie die Zusammenhänge. Mit viel Geduld und geschultem Auge sorgt sie im Augenblick dafür, dass die entsprechenden Farbfelder sauber abgeklebt werden. Silber, Weiß und Blau – das werden die Hauptfarben, die schmalen, roten Streifen sind eine echte Herausforderung. „Früher habe ich in Düsseldorf Straßenbahnen und Busse lackiert“, erzählt Simone Tewoort. Jetzt ist sie auf den Hubschrauber gekommen.
Die bisher geleistete Arbeit hat den Auftraggeber überzeugt. Er habe signalisiert, dass er auch in Zukunft die Werkstatt in Kleve anfliegen will. „Im Grunde genommen“, sagt Thomas Tewoort, „ist das, was wir hier machen, eine Leistung, die wir nur Dank des großen Einsatzes aller unserer Mitarbeiter erbringen können.“ Gestern landete der größte der vier Hubschrauber in Kleve – in ein paar Tagen wird er die Schwanenstadt mit einem neuen Lack wieder verlassen.
AnH

